Waldbrände 2026: Wie groß ist der Einfluss des Klimawandels wirklich?

Spanien und Frankreich kämpfen gegen Waldbrände. Schnell wird der Klimawandel als Ursache genannt. Doch dieser entzündet keine Feuer und erklärt nicht jede Brandkatastrophe.

Von Christof Weber | 2. August 2026 in der Berliner Zeitung

Wie dramatisch die Lage vor Ort ist, zeigen die Zahlen aus der Gironde: Das Feuer rückte zeitweise bis auf rund 15 Kilometer an den Großraum Bordeaux heran, mehr als 220.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Rund 2500 Feuerwehrleute sowie 18 Flugzeuge und Hubschrauber waren im Einsatz.

Häufig werden Waldbrände auf den menschengemachten Klimawandel zurückgeführt. Doch dabei werden unterschiedliche Zusammenhänge vermischt. Ein Feuer muss zunächst entzündet werden. Das Wetter beeinflusst maßgeblich, wie es sich ausbreitet: Hitze und fehlender Niederschlag können die Vegetation austrocknen; starker Wind facht die Flammen an und beschleunigt ihre Ausbreitung. Daraus folgt jedoch noch nicht, dass der anthropogene Klimawandel den konkreten Feuerausbruch verursacht hat. Davon getrennt zu betrachten ist die Frage, ob und wie stark die menschengemachte Erwärmung zu Hitze und Trockenheit beigetragen hat.

Weniger verbrannte Fläche in Europa

In Frankreich war bis zum 22. Juli 2026 bereits mehr Fläche verbrannt als im gesamten Vorjahr. Auch Spanien lag zu diesem Zeitpunkt über dem Vergleichswert von 2025. Europaweit war bis dahin jedoch so wenig Fläche verbrannt wie in keinem anderen Jahr seit Beginn der Datenreihe 2012. Wie ist das möglich?

Der scheinbare Widerspruch erklärt sich, wenn man den Blick auf ganz Europa richtet: Schwere Brände in Frankreich und Spanien können regionale Rekorde brechen, während es in anderen Teilen des Kontinents vergleichsweise ruhig bleibt. Regionale Rekorde belegen daher für sich noch keinen gesamteuropäischen Trend.

Beim Vergleich konkreter Brandflächen ist zu beachten, dass die Daten unterschiedlich erfasst werden. Das Europäische Waldbrandinformationssystem EFFIS berücksichtigt in seinen jüngsten Länderstatistiken vor allem größere Brände ab ungefähr 30 Hektar. Die von Our World in Data aufbereiteten Daten des Global Wildfire Information System beruhen auf Satellitenbeobachtungen und umfassen Vegetationsfeuer – neben Waldbränden auch Feuer in Gras-, Busch- und Agrarflächen. Angaben aus den beiden Systemen sind deshalb nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar.

Ein Teil der hohen Brandgefahr lässt sich durch die Abfolge feuchter und trockener Monate erklären. In Teilen Spaniens ließ ein relativ feuchtes Frühjahr Gras und andere Vegetation stark wachsen. In Frankreich und Westspanien folgte auf hohe Niederschläge im Winter bereits ein trockenes Frühjahr. Die anschließende Hitze und der ausbleibende Regen trockneten die Vegetation weiter aus, starker Wind beschleunigte die Ausbreitung der Feuer. Viel Regen vor einer schweren Brandsaison ist daher nicht unbedingt ein Widerspruch: Zunächst wächst mehr brennbares Material, anschließend trocknet es aus.

Eine am 14. März 2026 in npj Natural Hazards veröffentlichte Studie untersuchte 11.403 Sommerbrände von mindestens 30 Hektar in der Euro-Mittelmeerregion zwischen 2008 und 2022. Nur 44 Ereignisse waren Megafeuer von mindestens 10.000 Hektar. Obwohl sie lediglich 0,4 Prozent der untersuchten Brände ausmachten, waren sie für 17,7 Prozent der gesamten Brandfläche verantwortlich. Besonders große Feuer traten bevorzugt auf, wenn ungewöhnlich warmes und windiges Wetter auf bereits belastete Vegetation und mehrmonatige Trockenheit traf. Der Übergang von sehr großen Bränden zu Megafeuern war vor allem mit ungewöhnlich warmen Nächten und starken Winden rund um den Brandausbruch verbunden. Wegen der kleinen Stichprobe weisen die Autoren bei den Ergebnissen zu Megafeuern allerdings auf größere Unsicherheiten hin.

Die Studie untersucht nicht, welcher Anteil der 2026 verbrannten Fläche auf anthropogene Treibhausgase zurückgeht. Sie zeigt, unter welchen Wetter- und Vegetationsbedingungen sich Brände zu sehr großen Feuern oder Megafeuern entwickeln. Aus diesen Zusammenhängen allein lässt sich nicht ableiten, ob und in welchem Ausmaß anthropogene Treibhausgasemissionen zu einem konkreten Feuer beigetragen haben.

Von der Flamme zum Feuersturm

Wie dynamisch ein Großbrand werden kann, zeigte sich in der Gironde. Dort entstand zeitweise ein Pyrocumulonimbus – durch das Feuer erzeugte Gewitterwolke. Heiße Luft, Rauch und Feuchtigkeit stiegen über dem Feuer mehrere Kilometer in die Höhe. Der Pyrocumulonimbus erzeugte heftige, wechselnde Winde und Blitze, die außerhalb des ursprünglichen Brandgebietes weitere Feuer auslösten.

Hinzu kommen Engpässe bei der Brandbekämpfung. Nach Angaben von SRF waren Ende Juli von den zwölf französischen Canadair-Löschflugzeugen meist nur fünf bis sieben gleichzeitig einsatzbereit. Wegen der intensiven Nutzung mussten die Maschinen regelmäßig gewartet und repariert werden. Französische Feuerwehrleute kritisieren, dass sich Löschfahrzeuge bei leerem AdBlue-Tank nach dem Abstellen nicht mehr starten lassen und deshalb während der Einsätze regelmäßig nachgetankt werden müssen.

Die europäischen Partner stellten Frankreich und Spanien zusammen 13 Canadair-Löschflugzeuge und vier Hubschrauber zur Verfügung. In Spanien können Hubschrauber des russischen Herstellers Kamov vom Typ KA-32 wegen fehlender Ersatzteile und Wartungsmöglichkeiten infolge der EU-Sanktionen nicht mehr eingesetzt werden. Diese Probleme sind nicht die Ursache der Brände, erschweren aber ihre Eindämmung.

Die EU-Kommission betont, dass zusätzliche Flugzeuge und Hubschrauber allein nicht genügen. Sie fordert eine umfassendere Vorsorge, zu der auch die Verringerung leicht brennbarer Vegetation gehört.

Die große Mehrheit der Feuer in Südeuropa wird von Menschen ausgelöst – absichtlich oder fahrlässig. Eine neue Studie zu Megafeuern in der europäischen Mittelmeerregion nennt unter Verweis auf frühere Forschungsarbeiten einen menschlich verursachten Anteil von mehr als 95 Prozent. In Deutschland waren es nach Angaben des WWF zwischen 1992 und 2023 durchschnittlich 96 Prozent.

Für die Brände im Wald von Fontainebleau wurden mehrere Verdächtige festgenommen. Ein junger freiwilliger Feuerwehrmann soll eingeräumt haben, mit Benzin und einem Feuerzeug Reisig angezündet zu haben. Ein anderer Verdächtiger erklärte, durch eine weggeworfene Zigarette versehentlich einen weiteren Brand ausgelöst zu haben.

Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez sprach Mitte Juli von 59 Festnahmen wegen des Verdachts der vorsätzlichen oder fahrlässigen Brandstiftung. Auch im Raum Bordeaux wurden inzwischen zwei Menschen wegen des Verdachts auf Brandstiftung festgenommen.

In sozialen Netzwerken wurden die zahlreichen Festnahmen als Hinweis auf ein koordiniertes Vorgehen gewertet. Die Festnahmen allein belegen jedoch weder eine koordinierte Kampagne noch die Beteiligung feindlicher Gruppen oder Milizen. Öffentlich bekannte Ermittlungsergebnisse, die einen solchen Zusammenhang bestätigen, liegen bislang nicht vor.

Höhere Brandgefahr, weniger verbrannte Fläche?

Feuerwetter und tatsächlich verbrannte Fläche entwickeln sich nicht zwangsläufig gleich. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur stieg der wetterbasierte Fire Weather Index zwischen 1980 und 2012 in Europa insgesamt an, besonders im Süden und Osten. Gleichzeitig ging die verbrannte Fläche in den fünf besonders betroffenen Mittelmeerländern Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien seit 1980 leicht zurück. Lediglich Portugal wich von dieser Entwicklung ab. Die Umweltagentur sieht darin einen Hinweis darauf, dass Brandbekämpfung und Vorsorgemaßnahmen Wirkung gezeigt haben.

Auch der Weltklimarat stellt fest, dass brandfördernde Wetterbedingungen seit etwa 1980 in einigen europäischen Regionen einschließlich des Mittelmeerraums zugenommen haben. Das Vertrauen in diesen beobachteten Trend wird allerdings als gering eingestuft; für seine Zuordnung zum anthropogenen Klimawandel fehlt mit Ausnahme weniger Studien weitgehend die Evidenz. Für die kommenden Jahrzehnte zeigen die vom IPCC ausgewerteten Projektionen im Mittelmeerraum eine Zunahme brandfördernder Wetterbedingungen.

Das ist kein logischer Widerspruch. Wie viel Fläche verbrennt, hängt nicht allein von Temperatur und Niederschlag ab. Entscheidend sind auch die Ursachen der Feuer, Vegetation und Landnutzung, vorhandene Wege und Brandschneisen sowie Frühwarnung und Löschkapazitäten. Eine Studie aus dem Jahr 2016 kam für 1985 bis 2011 auf einen allgemeinen Rückgang der Brandfläche in Südeuropa und führte ihn wesentlich auf bessere Prävention und Brandbekämpfung zurück.

Global ist die Brandfläche in den Satellitendaten seit Ende der 1990er-Jahre um ungefähr ein Viertel zurückgegangen. Ein 2017 in Science veröffentlichtes Paper führt den Rückgang vor allem auf weniger Feuer in Savannen und Graslandschaften zurück. Durch die Ausweitung der Landwirtschaft und die intensivere Nutzung der Flächen steht dort weniger zusammenhängende Vegetation für Feuer zur Verfügung. Der globale Rückgang bedeutet allerdings nicht, dass auch Waldbrände überall abnehmen. Die GFED5-Auswertung zeigt für Waldbrände keinen signifikanten globalen Langzeittrend; zudem unterscheiden sich die Entwicklungen abhängig von Regionen und Vegetationstypen deutlich.

Die Nachrichtenagentur AP berichtet für 2026 von gegenläufigen Entwicklungen: Einzelne Feuer in Europa und Nordamerika werden extremer, während die globalen Feueremissionen historische Tiefstände erreichen. Nach Angaben des Copernicus-Atmosphärendienstes lagen die weltweiten Kohlenstoffemissionen aus Vegetationsbränden im ersten Halbjahr 2026 so niedrig wie noch nie in der 24-jährigen Datenreihe – laut AP ungefähr halb so hoch wie Anfang der 2000er-Jahre. Maßgeblich dafür sind rückläufige Feuer in Afrika und Asien, auf die im Durchschnitt mehr als drei Viertel der globalen Feueremissionen entfallen. Einen Überblick über die unterschiedlichen regionalen und globalen Entwicklungen hat der Wissenschaftsjournalist Axel Bojanowski zusammengestellt.

Ein von der Epoch Times befragter Waldbrandforscher verweist auf Veränderungen der mediterranen Landschaft. Viele kleine Höfe und Weideflächen wurden aufgegeben. Manche Flächen wuchsen mit Sträuchern zu, andere wurden aufgeforstet. Dadurch entstand vielerorts dichter, zusammenhängender Bewuchs, über den sich Feuer leichter ausbreiten können. Gleichzeitig rückten Siedlungen näher an brandgefährdete Flächen heran. Einzelne Brände können dadurch größere Schäden verursachen, selbst wenn ihre Zahl und die insgesamt verbrannte Fläche nicht zunehmen.

Vorbeugende Maßnahmen können die Ausbreitung großer Brände begrenzen. Kontrollierte Feuer und Weidewirtschaft reduzieren dichten Bewuchs, Schneisen unterbrechen zusammenhängende Vegetation. Frühwarnsysteme und einsatzfähige Löschmittel erleichtern eine rasche Eindämmung. In mehreren europäischen Regionen werden Ziegen und Schafe eingesetzt, um Gras und Sträucher kurz zu halten und so natürliche Brandschneisen zu schaffen.

Eine 2026 in Science veröffentlichte amerikanische Studie untersuchte knapp 300 Brände im Westen der Vereinigten Staaten. Brände, die auf zuvor behandelte Waldflächen trafen, breiteten sich weniger weit aus und richteten geringere Schäden an. Dazu zählten Flächen, auf denen die Vegetation ausgedünnt oder durch kontrollierte Brände reduziert worden war. Nach Schätzung der Autoren wurden dadurch zwischen 2017 und 2023 Schäden von rund 2,8 Milliarden Dollar vermieden. Die Ergebnisse lassen sich nicht unmittelbar auf Südeuropa übertragen. Sie zeigen aber, welchen Unterschied vorbeugende Landschaftspflege machen kann.
Politische Instrumentalisierung der Waldbrände

Die Brände wurden rasch für politische Forderungen herangezogen. Der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach schrieb auf X: „Europa brennt.“ Der Kontinent erwärme sich doppelt so schnell wie der Rest der Erde, und nichts zu tun werde noch teurer. Der britische Telegraph-Kolumnist Tim Stanley nahm die Feuer zum Anlass für die Forderung, die politische Rechte müsse den Klimawandel endlich ernst nehmen.

Der Guardian erklärte es für offensichtlich, dass die gegenwärtige Brandkrise dem „Klimanotstand“ zuzuordnen sei, und betonte, die Politik müsse der „neuen Realität“ der Brände endlich folgen. Der Independent betitelte einen Kommentar mit „For climate-change deniers, the heat is on“.

Widerspruch kam unter anderem von TKP. Der Beitrag argumentierte, Stanley verwechsle Wetter und Klima, und verwies auf langfristige Brandstatistiken sowie die Bedeutung der Wald- und Landschaftspflege. Diese Einwände betreffen wichtige Punkte: Regionale Brände eines einzelnen Sommers belegen noch keinen langfristigen Trend. Ebenso beantwortet die pauschale Verbindung mit dem Klimawandel nicht die Frage, wodurch die Feuer entstanden sind und weshalb sie sich so stark ausbreiteten.

Auch die EU-Kommissarin Hadja Lahbib erklärte, der Klimawandel beschleunige sich, weshalb sich die Reaktion darauf ebenfalls beschleunigen müsse. Im selben Artikel hieß es, eine weitere Hitzewelle könne neue Waldbrände „entzünden“. Eine Hitzewelle löst für gewöhnlich jedoch kein Feuer aus. Sie kann die Vegetation austrocknen und dazu beitragen, dass sich ein Brand schneller ausbreitet. Brände sollten daher nicht dazu benutzt werden, politische Forderungen als alternativlos darzustellen.

Wie groß ist der anthropogene Einfluss?

Die Erwärmung selbst setzt keinen Wald in Brand. Auch ein heißer, trockener Wald gerät gewöhnlich nicht von selbst in Flammen. Höhere Temperaturen und ausbleibender Niederschlag können die Vegetation jedoch austrocknen und damit die Ausbreitung eines entstandenen Feuers begünstigen. Welchen Anteil anthropogene Treibhausgasemissionen an den Bedingungen für die Ausbreitung der gegenwärtigen Brände hatten, lässt sich anhand der Brandstatistiken allein nicht bestimmen.

Der Satz „Der Klimawandel verursacht Waldbrände“ ist deshalb zu ungenau. Er unterscheidet nicht zwischen der Entstehung eines Feuers, seiner Ausbreitung und einem möglichen Anteil der menschengemachten Erwärmung an Hitze oder Trockenheit. Ein einzelner Brand ist kein Nachweis dafür, wie groß dieser Anteil ist. Umgekehrt ändern Fälle von Brandstiftung nichts daran, dass Wind, Temperatur und trockene Vegetation den weiteren Brandverlauf beeinflussen.

Die meisten Feuer werden vorsätzlich oder fahrlässig unmittelbar durch Menschen ausgelöst. Die pauschale Erklärung der Brände mit dem anthropogenen Anteil an der Erwärmung lenkt deshalb von ihren konkreten Ursachen ab.